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Studie: Weniger Methan-Emissionen bei der Erdölförderung verhindern Erneuerbare Energien im Verkehr

Berlin,

Bei der weltweiten Förderung von Erdöl und Erdgas treten große Mengen von klimaschädlichen Begleitgasen aus. Die Verringerung dieser Emissionen kann aber aufgrund neuer Regelungen in der europäischen Kraftstoffqualitätsrichtlinie die Nutzung von Erneuerbaren Energien im Verkehrssektor verhindern.

Bei der Förderung von Erdöl und Erdgas tritt in großen Mengen methanhaltiges Begleitgas aus, das entweder abgefackelt (Flaring) oder in die Atmosphäre abgelassen wird (Venting). Die Mineralölindustrie fackelt weltweit jährlich eine Menge Methan ungenutzt ab, die etwa einem Drittel des gesamten europäischen Erdgasverbrauchs entspricht. Dies zeigt eine neue Studie des Beratungsunternehmens Exergia. Die Emissionen durch Flaring belaufen sich auf den gesamten jährlichen Treibhausgasausstoß von Ländern wie Frankreich oder Italien. Hinzu kommen die Emissionen durch das Ablassen von Begleitgasen, die nach wissenschaftlichen Schätzungen bis zu fünf Prozent des weltweiten Treibhausgasausstoßes ausmachen.

Verringert die Erdölindustrie die klimaschädlichen Begleitgasmengen, kann sie sich dies zukünftig auf gesetzliche Vermeidungsvorgaben für den europäischen Transportsektor anrechnen lassen. Dies regelt die europäische Kraftstoffqualitätsrichtlinie (Fuel Quality Directive, FQD), die im kommenden Jahr in deutsches Recht umgesetzt werden muss. Demnach sind die Erdölunternehmen verpflichtet, die Treibhausgas-Emissionen ihres Kraftstoffs im Jahr 2020 um sechs Prozent im Vergleich zu 2010 zu reduzieren. Die Mineralölwirtschaft kann sich zur Zielerreichung unter anderem die Nutzung von Elektromobilität und  Biokraftstoffen anrechnen lassen. „Die unterschiedlichen Vermeidungsmaßnahmen werden zukünftig miteinander konkurrieren. Da bisher keine Kontrollen vorgesehen sind  und große Mengen von Begleitgasen emittiert werden, besteht die Gefahr, dass die Mineralölindustrie lediglich deren Ausstoß auf dem Papier reduziert. Damit wird kein Anreiz geschaffen für die Nutzung von Erneuerbaren Energien und alternativen Antrieben“, sagte Dr. Theodore Goumas, Geschäftsführer von Exergia und einer der Autoren der Studie. „Dies wäre eine falsche Weichenstellung, denn eine nachhaltige Dekarbonisierung des Verkehrs wird dadurch nicht in die Wege geleitet.“

Goumas kritisierte, dass auch Maßnahmen zur Reduzierung von Begleitgasen außerhalb Europas ohne strikte Regeln auf die Ziele der europäischen FQD angerechnet werden können. Die gesetzlichen Vorgaben seien zu vage. Sie enthielten keinen Prüfmechanismus um zu ermitteln, ob die Einsparungsmaßnahmen tatsächlich vorgenommen oder bereits anderswo angerechnet wurden. „Wenn auf die europäischen Klimaziele Maßnahmen angerechnet werden, die angeblich in Sibirien, Nigeria oder Venezuela durchgeführt wurden, dann müssen sie kontrolliert und in einem zentralen Register abgeglichen werden. Diese Notwendigkeit zeigen  die vergleichbaren Probleme beim ETS, dem EU-Emissionshandel“, sagte Goumas.

Auch der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) kritisiert die Anrechnung von Begleitgasreduktionen auf die europäischen Klimaziele im Verkehr. „Die FQD erlaubt mit der Begleitgasreduzierung ein weitgehend unkontrolliertes Schönrechnen der fossilen Kraftstoffe. Die fehlenden Vorgaben zu Dokumentation und Kontrolle führen abermals zu einer abenteuerlichen Ungleichbehandlung: Während Biokraftstoffe ihre Nachhaltigkeit und Treibhausgasbilanz belegen müssen, sind Benzin und Diesel hiervon unberechtigterweise ausgenommen“, sagte Elmar Baumann, Geschäftsführer des VDB. “Wenn die Reduktion von Begleitgasen angerechnet werde soll, dann muss die Produktion von fossilem Öl zertifiziert werden, so wie es bei Biokraftstoffen üblich ist“, sagte Baumann.

Exergia hat die Studie “Options for Reduction of Upstream Emissions from Oil Production: Significance, Implementation and Consequences“ durchgeführt im Auftrag von OVID Verband der Ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland und dem VDB.

 

Die Studie zu UER-Maßnahmen können Sie unter diesem Link herunterladen.

Die Zusammenfassung der UER Studie in deutscher Sprache können Sie unter diesem Link herunterladen.

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